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Ringvorlesung: Urbanes Leben

Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten im Jahr 2050 voraussichtlich knapp 70 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Das Phänomen Urbanisierung betrifft dabei nicht nur Superstädte wie Delhi, das mit seinen derzeit 29 Millionen Einwohner*innen im Jahr 2028 Tokio den Rang als größte Stadt der Welt abgelaufen haben wird. Auch wir in Deutschland bekommen die wachsende Stadtbevölkerung zu spüren: Verkehrsprobleme, steigende Mieten und die Zunahme sozialer Konflikte werden in deutschen Städten immer präsenter. Gleichzeitig lassen steigende Studierendenzahlen, eine Wiederbelebung der Stadt als Kulturraum und neu aufkommende Trends wie Urban Gardening die Städte wieder attraktiver werden.

Die kulturellen, wirtschaftlichen und soziologischen Chancen, die durch die Urbanisierung entstehen, werden in den interdisziplinären Vorträgen der Ringvorlesung näher betrachtet und diskutiert. Dazu stellen Expert*innen aus Wissenschaft, Kultur und Philosophie ihre spannenden Ideen urbanem Lebens der Gegenwart und Zukunft vor.

Studierende aller Fakultäten sowie interessierte Gäste sind herzlich willkommen! Studierende melden sich über Klips 2, Gasthörende per E-Mail an (ringvorlesung-professionalcenter@uni-koeln.de).

Organisation & Kontakt:
Pia Maria Engelhardt 
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des ProfessionalCenters

Wissenschaftliche Leitung der Ringvorlesung:
Prof. Dr. Michael Schemmann
Wissenschaftliche Leitung des ProfessionalCenters der Universität zu Köln

Informationen zur Anmeldung

 

Veranstaltungsübersicht

Die Vorträge finden jeweils dienstags von 17.45 – 19.15 Uhr im Hörsaal II der Universität zu Köln (Albertus Magnus Platz) statt.


 
16.10.2018
Auftaktvortrag: Urban vitality and safeguarding challenges? UNESCO’s heritage conventions and recommendations and the Bruegel network (Prof. Dr. Marc Jacobs | Vrije Universiteit Brussel | Brussels Centre for Urban Studies)

UNESCO provides not only global perspectives on urbanization but also glocal tools to deal with it. In this talk, I will focus on two tools, the 2003 convention for the safeguarding of intangible cultural heritage and the 2011 Recommendation on the Historic Urban Landscape, and the connected texts for implementation and their relation with the Agenda 2030. In order to fully appreciate the importance and significance of these 21st century  tools,  we will explore 16th century representations focusing on safeguarding, by Pieter Bruegel and other artists in his network extending to cultural entrepreneurs in Cologne.


23.10.2018
"Das Jahrhundert der Städte – Perspektiven aus dem All" (Dr. Hannes Taubenböck | Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) | Earth Observation Center)

Wir befinden uns inmitten der größten Wanderungsbewegung, die die Menschheit jemals vollzogen hat: Vom Land in die Städte. Neue Millionenstädte entstehen, bestehende Großstädte verschmelzen zu Megaregionen mit mehr als 80 Millionen Einwohnern, Slums wachsen in verbleibende Freiflächen. Die globale Stadt ist hochdynamisch. Obwohl wir uns im Informationszeitalter befinden, hat die Menschheit heute noch große Wissenslücken bzgl. dieser urbanen Phänomene. Der Vortrag macht physische Transformationen von Stadtlandschaften durch den Blick von oben – mit Fernerkundungsdaten aus dem All – greifbar: Durch die Auswertung von Satellitendaten wird es möglich, das ausufernde städtische Wachstum im globalen Vergleich zu dokumentieren, die Entstehung und Dimensionen von Megaregionen zu identifizieren oder gar Gebiete urbaner Armut zu lokalisieren. Im Vortrag wird gezeigt, wie bestehende Wissenslücken mit Big Earth Data zu schließen sind, um die Auswirkungen von Urbanisierungsprozessen auf unserem Planeten erfahrbar zu machen.

30.10.2018
"Erblast oder Zukunftsmodell? Grundlinien der Urbanisierung Europas im 20. Jahrhundert" (Prof. Dr. Christoph Bernhardt | Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung | Historische Forschungsstelle)

Die Urbanisierung Europas im 20. Jahrhundert galt lange als Problemfall einer unsozialen und umweltschädlichen Entwicklung, zu deren Bewältigung jedoch schrittweise erfolgreiche Strategien wie eine umfassende Stadtplanung und soziale Wohnungspolitik eingeführt wurden. Solche Bewertungen, zu denen auch das Bild der kompakten „Europäischen Stadt“ gehört, bedürfen jedoch einer kritischen Überprüfung. Der Vortrag beleuchtet geschichtswissenschaftliche Grundfragen, wie z.B. den Zusammenhang von Industrialisierung und Urbanisierung oder die sehr unterschiedlichen Entwicklungen in Nordwest-, Süd- und Osteuropa. Kritisch diskutiert werden auch die Steuerungsfähigkeit und -defizite von Stadtplanung und Kommunalpolitik sowie die ungleichen Lebensverhältnisse und Varianten von Urbanität in verschiedenen europäischen Städten und Stadtteilen. Die differenzierte historische Bestandsaufnahme soll die Licht- und Schattenseiten des europäischen Urbanisierungsmodells und seine Bedeutung für eine zukunftsfähige Stadtpolitik im Kontext der globalen Verstädterung aufzeigen.

06.11.2018
"Gentrifizierung – sozialräumliche Veränderungen in Großstädten" (Prof. em. Dr. Jürgen Friedrichs | Uni Köln | Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)

Eine Reihe gesellschaftlicher Veränderungen, u.a. die Bildungsexpansion, die stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Wunsch nach einem „urbanen“ Leben, haben dazu geführt, dass die Nachfrage nach Wohnungen in der Innenstädten von Großstädten stark zugenommen hat. Dies gilt für fast alle Großstädte – selbst für Peking. Damit geht eine Aufwertung von innerstädtischen Wohngebieten einher, in denen zuvor meist von Arbeitern und Angehörigen von Minoritäten wohnten und die zu verfallen drohten. Es setzte ein Prozess der Gentrifzierung ein,  bei dem erst Studenten und Künstler („Pioniere“) und dann Haushalte höheren Einkommens mit Kindern einzogen. Als Folge steigen die Mieten, ziehen ärmere Haushalte aus („Verdrängung“) und werden Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Ich stelle die Phasen des Prozesses und seine (politischen) Folgen an zahlreichen Beispielen dar. 


13.11.2018
"Urban Art Cologne – Sechs Jahrzehnte kreativer Eingriffe auf den Straßen von Köln" (Sascha Klein | Universität zu Köln | Kunstverein artrmx e.V.)

Von steinzeitlichen Höhlenmalereien bis zum Graffiti auf Mauern und Hauswänden unserer heutigen Großstädte – das Bedürfnis, die eigene Lebensumwelt künstlerisch zu gestalten stellt eine grundlegende Konstante in der Geschichte des Menschen dar. Dabei sind die Formen, Stile und Medien dieser kreativen Eingriffe in die Stadt ebenso vielfältig wie die Hintergründe von Künstler*Innen und Auftraggeber*Innen und können in höchst unterschiedlichsten Kontexten geschehen. Insbesondere ab der Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich mit Graffiti, Aktionskunst und Street Art künstlerische Ausdrucksformen entwickelt, die das Stadtbild nachhaltig geprägt, Gemüter erhitzt und Kontroversen angestoßen haben. In diesem Vortrag sollen nicht nur Grundbegriffe, Stile und Gernes urbaner Kunst erläutert werden, sondern anhand der Entwicklungen in Köln seit den 1960er Jahren beispielhaft verschiedene Akteure, Institutionen und Orte von Kunst im öffentlichen Raum sowie unterschiedliche Formen des Umgangs mit ihr vorgestellt werden.


20.11.2018
"Urbanisierung im Globalen Süden - Wenn die Stadt den ländlichen Raum frisst! Das Beispiel Nakuru in Kenia" (Prof. Dr. Peter Dannenberg & Maximilian Willkomm | Universität zu Köln | Leiter des Lehrstuhls für Anthropogeographie)

Wo noch vor 10 Jahren keine 300.000 Menschen lebten hat sich heute die wahrscheinlich schnellst wachsende Stadt Afrikas entwickelt. Gelegen an einem See der für seine Flamingos und Nashörner bekannt ist breitet sich die Stadt Nakuru in den ländlichen Raum aus und wächst bedrohlich nah an den See und den ihn umgegebenen Nationalpark heran. Doch ist das, was da wächst überhaupt eine Stadt? Warum wächst sie so schnell und wie lebt es sich in ihr? Diesen Fragen geht der Beitrag mit zahlreichen Illustrationen nach.


27.11.2018
"Die Welt reparieren - Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis" (Dr. Christa Müller | Vorstandsvorsitzende Forschungsgesellschaft anstiftung)

In neuartigen Experimentierräumen der Großstädte hat die Suche nach geeigneten Formen des Umgangs mit Problemlagen begonnen, auf die Markt und Staat nicht (mehr) antworten. Oftmals noch junge Akteure experimentieren mit kleinteiligen Lösungen für die Nahrungsmittel- und Energieproduktion, aber auch für Design und eine für alle zugängliche Technik. Erprobt werden Formen des kollaborativen Produzierens, Reparierens, Teilens und nicht-kommerziellen Tauschens, die den industriellen Kapitalismus herausfordern und überschreiten.


04.12.2018
"Stadtmenschen und ihre Seelennöte" (Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg | Vorstandsvorsitzender Zentralinstitut für Seelische Gesundheit)

Obwohl Stadtbewohner im weltweiten Vergleich im Durchschnitt besser ausgebildet und wohlhabender sind, ist es um Ihre psychische Gesundheit nicht gut bestellt: Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, und Schizophrenie finden sich überall auf dem Globus bei Städtern deutlich häufiger.
In diesem Vortrag geht es zunächst um die Ursachen und Mechanismen dieser immer wieder gemachten Beobachtungen, wobei ein Blick ins Gehirn mit modernen Methoden eine wichtige Rolle spielt. Basierend darauf sollen Ideen entwickelt werden, was in einer sich rasch urbanisierenden Welt getan werden kann, um Städte zu besseren Lebenswelten aus dem Blickwinkel der seelischen Gesundheit zu machen.


11.12.2018
"Urbane Kommunikation: Alltagspraktiken und Öffentlichkeit in Hanoi" (Prof. Dr. Sandra Kurfürst | Uni Köln | Institut für Südasien- und Südostasienstudien)

Städte sind Räume sozialer Interaktion und Kommunikation. Sie sind oft Ursprung und Artikulationszentren von Öffentlichkeit. Die Anonymität der Großstadt bietet Raum zur individuellen Entfaltung, stellt zugleich aber auch eine Herausforderung für soziale Interaktion dar. Im Zentrum des Vortrags stehen die Alltagspraktiken der Bewohner*innen der Stadt Hanoi und deren Produktion und Umdefinition der Bedeutung von öffentlichen Räumen in der vietnamesischen Hauptstadt. 


18.12.2018
"Urbanisierung als Gestaltungsaufgabe – zwischen Steuerungsanspruch und Selbstorganisation" (Prof. Dr.-Ing. Stefan Siedentop | ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung | Wissenschaftlicher Direktor)

 Details folgen


08.01.2019
"Smarte Neue Welt? Wie nachhaltig ist die Digitalisierung urbaner Lebenswelten" (Prof. Dr. Dr. h.c. Otwin Renn | Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung e.V. (IASS))

Stichworte: Vernetzte Dienstleistungen, Komfort, mehr Sicherheit und mehr  Energieeinsparung sind die Versprechungen von Smart Urban Living. Auf der andere Seite gibt es Risiken: Cyber-Sicherheit, höhere Verwundbarkeit, Datenmissbrauch und Souveränitätsverzicht. Wie sind Chancen und Risiken einzuschätzen? Wie lässt sich diese Bilanz unter ökologischem ökonomischen und sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit beurteilen?

15.01.2019
Abschlussveranstaltung Wissensshow: Urbane Visionen (Moderator: Tobias Hülswitt/ wissensshow.de/ Head of Research)

Bürgerbeteiligung in der Städteplanung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Anwohner*inneninitiativen fordern Mitspracherecht, Gemeinden experimentieren mit verschiedenen Verfahren, wie Anwohner*innen über Bauvorhaben informiert und in Planungen involviert werden können. Die Interessen von Anwohner*innen, Investoren, Politik und Verwaltung unter einen Hut zu bringen, ist dabei nicht immer einfach. In der Wissensshow ‚Urbane Visionen‘ diskutieren wir über Videoclips zum Thema.


22.01.2019
60-minütige Multiple Choice Klausur

 

Organisation & Kontakt



Pia Maria Engelhardt

Ringvorlesungen & JobTour
Career Service Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (komm.)

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Telefon: +49 221 470-2801
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