zum Inhalt springen

Ringvorlesung: Lebenskunst

Was bedeutet das "Leben" in der modernen Gesellschaft? Welche Formen nimmt es an, welchen Führungsmodi unterliegt es und welcher Kunst bedarf es, in der Moderne ein erfolgreiches, authentisches, glückliches, befriedigendes oder auch erfüllendes Leben zu leben. Lebenskunst heißt, das Leben bejahenswerter zu machen und hierzu eine Arbeit an sich selbst, am eigenen Leben und am Leben mit Anderen zu leisten.

Das Leben leben zu können bleibt immer dem einzelnen überlassen. Dem modernen Menschen, der auf Wissenschaft, Technik und politische Systeme vertraut, fehlt es jedoch an dieser Kunstfertigkeit. Diese Überlegungen sind in jüngster Zeit wieder häufiger in den Fokus gerückt worden. Ein neuerliches Nachdenken über die Moderne bildet den Hintergrund für die Entfaltung der Begriffe der Lebensführung, der Lebensform und des Lebensstils.

Über die Frage nach dem "guten Leben", die in den neunziger Jahren wieder an Bedeutung gewann, hat sich Wilhelm Schmid der Lebenskunstphilosophie gewidmet. Als Auftaktredner der Ringvorlesung – und populärster Vertreter der Lebenskunstphilosophie - legt er mit dem Buch „Philosophie der Lebenskunst“ den Grundstein der Ringvorlesung.
Die grundlegende Frage "Was soll ich tun?" hat in diesem Moment keinen moralischen, sondern einen existentiellen Sinn und zielt auf die Kunst der Existenz, aus dem abstrakten Leben ein eigenes werden zu lassen. Dazu dient das Nachdenken über den Umgang mit Gewohnheiten, Lüsten, Schmerzen, Zeit und Tod, über Künste der Ironie, des "Negativdenkens", der Gelassenheit und eines ökologischen Lebensstils, der auch auf die entscheidende Herausforderung der Zeit zu antworten vermag.
Wir laden Sie dazu ein, das Thema Lebenskunst in interdisziplinären Vorträgen zu betrachten, kritisch zu hinterfragen und Anregungen für das Handeln im Alltag mitzunehmen. Studierende aller Fakultäten sowie interessierte Gäste sind herzlich willkommen!

Wissenschaftliche Leitung der Ringvorlesung:
Prof. Dr. Michael Schemmann
Wissenschaftliche Leitung des ProfessionalCenters der Universität zu Köln

 

Informationen zur Anmeldung

 

Veranstaltungsübersicht

Die Vorträge finden jeden Dienstag von 17.45 – 19.15 Uhr im Hörsaal II der Universität zu Köln (Albertus Magnus Platz) statt.

 

15.10.2019
Ökologische Lebenskunst – Was jeder Einzelne für das Leben auf dem Planeten tun kann | Prof. Dr. Wilhelm Schmid | Philosoph

Ein bewusst geführtes Leben, das ist Lebenskunst, sagt der Berliner Lebenskunst-Philosoph Wilhelm Schmid, der darüber etliche Bücher verfasst hat. Also nicht einfach nur in den Tag hineinleben und sich in der Sorglosigkeit sonnen, sondern sich Sorgen machen über das, was im Leben wichtig ist. Wichtig sind die natürlichen Grundlagen des Lebens, die der Mensch nicht selbst geschaffen hat, die er jedoch so stören kann, dass Rückwirkungen auf sein Leben spürbar werden, wie sich das beispielsweise bei der Klimaerwärmung zeigt. Bewusste Lebensführung heißt dann, darüber nachzudenken, was ich selbst im eigenen Leben tun kann, um auf natürliche Zusammenhänge besser zu achten.


22.10.2019
Lebenskunst & Lebenskünstler — Ein Erfahrungsbericht | Prof. Dr. Wolfgang Leidhold | Universität zu Köln

Lebenskünstler: das sind die Praktiker gelingender Lebenskunst. Doch wer findet sich, wenn wir nach realen Beispielen für eine solche gelungene Praxis suchen? Der Befund überrascht. Und sind die Lehrer der Lebenskunst selbst unter den Beispielen? Die Antwort heißt: Das ist (meist) unbekannt. Theoretisch ist die Lebenskunst Teil der Philosophie, vielleicht sogar ihr Herzstück. Doch welche Philosophie eignet sich zur Anleitung in dieser Kunst? Die meisten Philosophien, antike wie moderne, erweisen sich entweder als nutzlos—oder als irreführend. Was sonst hilft weiter? Psychologie? Ein Mental Coach? Die Kunst? John Strelecky? Wolfgang Leidhold ist diesen Fragen nachgegangen und trägt seinen Erfahrungsbericht vor.


29.10.2019
Die Schönheit des Lebens und die Schönheit des Sterbens Philosophische Zugänge zur Lebenskunst | Prof. Dr. Jörg Zirfas | Universität zu Köln

Ziel der Lebenskunst ist ein schönes und glückliches Leben: Dieses Leben ist in der Moderne das bejahenswerte Leben. Wenn ein Mensch sein Leben – und auch sein Sterben – bejahen kann, so verwirklicht er seine Lebenskunst.

Der Vortrag versucht diese These in drei Schritten zu erläutern: Der erste referiert Konzepte der Schönheit des Lebens in systematischer Perspektive; der zweite rekonstruiert Modelle eines schönen Sterbens in historischen Etappen und schließlich geht es im dritten Teil um die Frage einer Bildung und Kritik der Lebenskunst.


05.11.2019
Self-tracking als Zeitgeistphänomen | Prof. Dr. Robert Gugutzer | Goethe Universität Frankfurt

Self-Tracking ist die seit einiger Zeit populäre Praxis, körperliche Vorgänge und Zustände mit Hilfe körpernaher technischer Geräte zu messen. Von den einen wird diese digitale Möglichkeit der Körpervermessung gefeiert, weil ihrer Ansicht nach aus der „Selbsterkenntnis durch Zahlen“ Freiheits- und Emanzipationsgewinne resultieren. Andere sehen Self-Tracking hingegen kritisch, weil sie befürchten, dass damit der neoliberale Selbstoptimierungszwang weiter zunehmen und ein umfassender Missbrauch persönlicher Daten wahrscheinlich werde. In dem Vortrag wird keine der beiden Positionen vertreten. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Versuch, dieses Phänomen zu verstehen, ohne es in eine vorgefertigte Schublade zu stecken. Zentral ist deshalb die Frage, was Self-Tracking über den aktuellen Zeitgeist aussagt. Ist Self-Tracking eine spätmoderne Form von Lebenskunst?


12.11.2019
Zur Psychologie der Lebenskunst | Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer | Universität zu Köln

Lebenskunst kann definiert werden als die Fähigkeit und die Bereitschaft, das eigene Leben anhand selbstbestimmter ästhetischer und ethischer Richtlininen zu formen und zu gestalten. In der positiven Psychologie wird darin oftmals eine Voraussetzung für Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden gesehen. In meinem Vortrag wird es darum gehen, welche Chancen, aber auch welche Gefährdungen sich aus einer solchen Defintion eines gelingenden Lebens ergeben. Zudem werde ich diskutieren, welche impliziten Voraussetzungen dem Konzept der Lebenskunst zugrunde liegen und inwiefern diese aus psychologischer Perspektive gerechtfertigt erscheinen. 


19.11.2019
Zwischen Lebenskunst und Lebenskampf: Straßenmusiker in Berlin | Mark Nowakowski | Umweltbundesamt

Sie gehören zum (Klang-) Bild unserer Städte wie all die Sehenswürdigkeiten, der Verkehr, die Menschenmassen. Straßenmusiker sind für die einen schlicht Bettler, für die anderen stellen sie das - freilich romantisierte - Ideal des freien Vagabunden und Lebenskünstlers dar. Im öffentlichen Raum erregen sie oftmals unsere Aufmerksamkeit, doch selten echtes Interesse. Mark Nowakowski ist in einer Feldstudie den Fragen nachgegangen, wer die Menschen sind, die Straßenmusik machen, was sie da eigentlich tun und warum? Anhand seines empirisch gesammelten Materials wird er interessante Erkenntnisse zu biographischen Merkmalen, Motiven, Auftrittsstrategien und Perspektiven der Künstler|innen präsentieren, die vorkommenden Instrumente und Stilrichtungen sowie bevorzugte Auftrittsorte besprechen. Die Rolle des urbanen Raums als Kontext, in dem sich Straßenmusik abspielt, und des Publikums sowie die jeweiligen Wechselwirkungen werden ebenso diskutiert wie Wandlungsprozesse und die soziokulturelle Dimension von Straßenmusik.


26.11.2019
Kann der Sport Muße sein? | Univ.-Prof. Dr. Volker Schürmann | Deutsche Sporthochschule Köln

Der Vortrag orientiert sich an der alten Dreiteilung von Arbeit, Spiel und Muße. Zunächst scheint alles dafür zu sprechen, dass man den heute praktizierten Sport der Arbeit zurechnen kann und muss. Es scheint nicht darum zu gehen, Sport zu treiben, sondern darum, mit dem Sport etwas anderes zu tun – etwa Geld oder Ruhm oder Gesundheit oder Prestige für die Nation einzufahren. Das betrifft nicht nur den organisierten, sondern auch den individuell betriebenen Sport, wie die Rede von der »Arbeit am Körper« belegt. Ist demgegenüber der Appell daran, dass Sport doch ein Spiel sei oder gar als Muße praktiziert sein will, pure Nostalgie? Oder ist es lohnenswert und aussichtsreich, im Hinblick auf den Sport eine andere Lebenskunst zu praktizieren als die, die den Sport als Arbeit traktiert?


03.12.2019
Die künstlichen Paradiese der Electronic Dance Music: Hedonismus-Heterotopien in der aktuellen Clubkultur | Prof. Dr. Dirk Matejovski | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Seit mehr als dreißig Jahren hat sich innerhalb der elektronischen Musik ein System von Diskursen und Körperpraktiken etabliert, das die zeitgenössische Popkultur entscheidend prägt. Eine entscheidende Zäsur bildet dabei der sich seit einer Dekade vollziehende Siegeszug des Subgenres der „Electronic Dance Music“ (EDM). Die mit den EDM-Soundkonzepten einhergehenden visuellen, inszenatorischen und architektonischen Strategien generieren dabei konzeptionelle Neuformulierungen von Clubpraktiken, und sie oszillieren dabei zwischen Intensivierung und Neutralisierung. 


10.12.2019
Lebenskunst und Lebenssinn in der Arbeitswelt | Friedericke Hardering | Goethe Universität Frankfurt

Die moderne Arbeitswelt sorgt mit Zeit- und Termindruck, Stress und Überforderung dafür, dass viele Menschen an ihrer Arbeit leiden und in eine Sinnkrise geraten. Als Folge dessen lässt sich ein neues Interesse daran beobachten, wie wir in der Arbeitswelt Gesundheit erhalten können und wie wir gute Arbeit schaffen können. Lebenskunst und Lebenssinn lassen sich als Antworten auf diese Fragen verstehen: Wer weiß, wofür er etwas macht, kann sein Tun in einen größeren Kontext einbetten und ist dadurch in der Lage, besser mit Herausforderungen umzugehen. Im Vortrag wird aufgezeigt, wie es um das Erleben von Sinn in der Arbeitswelt bestellt ist und welche Chancen der Gestaltung von Arbeit sich auf gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Ebene bieten.


17.12.2019
Orientierung und Vergewisserung Christliche Seelsorge als Lebenskunst aus dem Geist des Evangeliums|Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost | Universität Bonn (em.)

Seit etwa drei Jahrzehnten bemühen sich christliche Theologinnen und Theologen um eine Annäherung von Seelsorge und philosophischer Lebenskunst. Dabei treten Spannungen auf, die Empfänglichkeit hier und die Selbstmächtigkeit dort, die Orientierung an Erfüllungsvorstellungen des Evangeliums einerseits und an Bildern von gelingendem individuellem Leben ("Glück") andererseits. Ohne diese Spannungen einzuebnen, bietet die Orientierung an beiden Systemen eine Fülle von Deutungen zur Orientierung der Lebensführung und Wege zur Vergewisserung über den Sinn der individuellen Existenz.


07.01.2020
Vertrauen in Künstliche Intelligenz – Lebenskunst in der digitalen Gesellschaft | Dr. rer. nat. Maximilian Poretschkin | Fraunhofer-Institut IAIS

Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft und unseren Alltag auf rasante und nachhaltige Weise und dringt dabei auch in sehr sensible Lebensbereiche vor.

Angesichts der Tatsache, dass sie mehr und mehr verantwortungsvolle Aufgaben übernimmt, die noch bis vor kurzem dem Menschen vorbehalten waren, drängt sich somit die Frage auf, wie wir unser Leben sinnvoll mit Künstlicher Intelligenz bereichern können und wie dabei sichergestellt werden kann, dass der Mensch stets im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht.

Dieser Vortrag ordnet zuerst die jüngste Entwicklung von Künstlicher Intelligenz aus technischer Perspektive ein und beleuchtet dann die Frage, wie sich die Rahmenbedingungen für einen vertrauenswürdigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz formulieren lassen und warum diese Frage nur im interdisziplinären Dialog geklärt werden kann.


14.01.2020
Neue Horizonte - Alexander Gerst und seine 2. ISS-Mission | Volker Schmid| Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Im Vortrag wird die Mission inkl. den Highlight-Experimenten vorgestellt.Erste Ergebnisse sind ebenso im Portfolio wie auch Fragen: warum forschen wir im All und was haben wir davon?

Ein Ausblick in die Zukunft der astronautischen Raumfahrt in Europa rundet den Vortrag ab.


21.01.2020
60-minütige Multiple Choice Klausur

Weitere Informationen: tba

 

Organisation & Kontakt


Eva Wenzel

Ringvorlesung & Career Week

Kontakt
Telefon: +49 221 470-8891
E-Mail: eva.wenzel(at)uni-koeln.de